Hochmoorrestitution


Ausgehend von der Annahme und aus der praktischen Erfahrung können auf allen Flächen der niedersächsischen Hochmoore wieder solche Lebensräume entwickelt werden. Abhängig von dem Untergrund und der Lage stellen sich hier offensichtlich die Gegebenheiten für Hochmoorentwicklung wieder ein, wenn die Voraussetzungen geschaffen werden. Diese sind die Herstellung oder Belassung eines Quellkörpers, keine Wasserströmung und Wasserrückhaltung nur mit Regenwasser.

Der Quellkörper kann durch die Zurücklassung eines Resttorfes belassen werden. Allerdings hat es sich hier vorteilhaft gezeigt, keine gewachsene Resttorfschicht aus dem ältesten Torf zu hinterlassen, sondern einen Mischtorf aus den anstehenden Torfarten, wobei der jüngste Torf besonders wichtig ist wegen seines Gehaltes an noch keimfähigen Samen und Sporen. Dieser Torf, der auch Krümeltorf genannt wird, ist auf Grund seiner lockeren und nicht gefestigten Struktur gut aufnahmefähig für Wasser durch seine ganze belassene Schicht hindurch. Je höher der Anteil unzersetzten Torfes, desto besser und voluminöser die Quellung. Zudem wird bei dieser Methode keine nicht durchwässerte Restschicht, wie gewachsener, verdichteter Resttorf hinterlassen.

Die Vermeidung von Wasserströmung und Wellenschlag kann vermieden werden einmal durch Einstau ebener Flächen, die durchaus Strukturen oder Unebenheiten im Dezimeterbereich haben dürfen, und die Zulassung einer Erstvegetation nach Herrichtung der Fläche. Diese Vegetation braucht noch nicht die moortypischen Arten enthalten. Oft sind es Gräser wie Honiggras, Flatterbinse und fluten der Schwaden oder Kräuter wie Gilbweiderich, Kleinblütiges Weidenröschen, Zweizahn, kleiner Sauerampfer und Sumpfkratzdistel, die sich hier ausbreiten.

Nachdem sich ein flächendeckender, lichter Bewuchs eingestellt hat, beginnt der eigentliche Einstau, indem die Fläche so überstaut wird, dass die gewachsenen Pflanzen noch herausragen, aber Wellenschlag bei Wind vermieden wird.

Mit diesem Wasserüberschuss ist der belassene Krümeltorf in der Lage, Wasser aufzunehmen. Die Erstvegetation dünnt aus und verändert sich, da viele dieser Arten den Überstau nicht vertragen.

Ein so beruhigter Überstau ist die Besiedlungsgrundlage der ersten Torfmoosart, dem Spießtorfmoos oder Sphagnum cuspidatum. Mit dem Aufquellen des Resttorfes gibt es die ersten Torfschlamm-Bänke, die dann dem Scheiden-Wollgras die Besiedlungsgrundlage bieten und der weiteren Torfmoosart, dem Sphagnum fallax, die Einwanderung ermöglicht.

Ob es flächendeckend einer Resttorfablage bedarf, oder Bereiche schieren Untergrundes, (wie Sand bei den Geestmooren) geben darf muss noch beobachtet werden. Einige Flächen, die so tief, also ohne Resttorfauflage abgetorft worden sind, weisen darauf hin, dass dies der Entwicklung keinen Abbruch tut und möglicherweise einen Beitrag zur Strukturvielfalt darstellt.

Auf jeden Fall ist die Belassung einer dicken gewachsenen Torfschicht keine erforderliche und gute Voraussetzung für eine Hochmoorvegetation. Der Grund dürfte in der vergangenen Behandlung der intakten Hochmoore und seines Torfkörpers durch uns Menschen liegen. Wir haben dem Torfkörper effektiv und langzeitig das Wasser entzogen und ihn praktisch belüftet. Damit ist die Zersetzung des Torfes, die auch unter anaeroben Verhältnissen stattfindet, begünstigt worden. Mit dem Einstau der Resttorfschicht gerät diese aber nicht gleich unter sauerstofffreien Bedingungen, d. h. die Torfzersetzung geht weiter und der Torf nimmt kein Wasser auf. Dies hat auch Auswirkungen auf das Quellvermögen und den Wassereinstau in den Resttorf und auf die Torfmoosansiedlung sowie Bildung von Oberflächen Strukturen wie Bulten und Schlenken. Zu beobachten ist auf solchen Flächen meist ein flächendeckender Torfmoosrasen aus Schlenkentorfmoosen und erst spät die Ausbildung von Bulten-Schlenken-Strukturen mit der Besiedlung über Sphagnum fallax zu (bei uns in Niedersachsen) Sphagnum-palustre- und Sphagnum-papillosum-Bulten.

Der Beginn der Hochmoorentwicklung geschah ebenfalls unter unterschiedlichen Voraussetzungen. Oft war bereits ein organischer „Sockel“ geschaffen wie z. B. eine Niedermoor-Lage aus einem verlandenden See oder Laub- und Nadelstreu-Schicht in einem Wald. Hier konnten (und können) Torfmoose die geleichmäßig feuchten Bedingungen nutzen und Kleinstmoore bilden, dann über das torfmooseigene flächenhafte Ausbreiten die vorhandene Vegetation (Kraut-Gras-Gehölze) verdrängen, insbesondere mit der ihnen eigenen Fähigkeit, saure und nur für eine bestimmte Begleit-Arten annehmbare Wachtumsverhältnisse zu schaffen. Das Versauern, Bedecken und Nasshalten des Bodens schafft für die Torfmoose und den Hochmoorpflanzen eine deutliche Vorteilsnahme und drängt andere Arten zurück. Somit wird dann die Entwicklung in Richtung eines vom Wasserhaushalt unabhängigen Hochmoores freigegeben.

In der Marsch (Watten) der tidebeeinflussten Flussniederungen an der Nordseeküste und in den breiten Tälern und Senken des Geestlandes fanden die Torfmoose unebene Flächen vor mit Strukturen der Nordseegezeiten und auch eiszeitlichen Ursprunges. Hier findet sich in vielen Fällen eine Hochmoorbildung über Röhrichte (im Gezeitenbereich vor allem Schilfröhrichte) und einer Niedermoortorfschicht, die oft aus einem Gemisch aus Seggen und Schilf besteht. Es wird aber auch der direkte Übergang vom mineralischen Boden zum Hochmoortorf beobachtet.

Aufgrund der Unebenheit des großflächigen Torfbildungsbereiches durch Gezeitenablagerungen und -ströme wie auch Dünen und Senken geschah die Torfbildung dann nicht gleichzeitig auf der ganzen Fläche, sondern in den geeigneten Strukturen, oft in den Senken, wenn diese nicht einen Wasserdurchfluss dienten. Die Nachvollziehbarkeit ist besonders in den großflächigen Torfabbaugebieten gut, wo der Grenzbereich zwischen Torf und mineralischen Unterboden, und eben auch der ganzen Schichtung in der gewachsenen Torfschicht gut aufgeschlossen wird. Unterschiedliche Torfqualitäten sind im gesamten Torfkörper zu beobachten und lassen darauf schließen, dass das Hochmoor keine Fläche homogenen Torfmoosbewuchses war, sondern ein immer abwechslungsreicher Lebensraum, allerdings mit einer ausgewählten Struktur- und Artenvielfalt, in jüngeren Entwicklungsphasen noch durchdrungen von Sanddünen (mit Heidebewuchs), Prielen und Kleibänken und Gehölzinseln auf mineralischem Boden wie auch dem bereits gebildeten organischen Boden aus Röhricht und Torf (gute Beispiele sind im Aschhorner Moor zu sehen bzw. zu erkennen). Es gab sicher auch besonders in der Anfangszeit der Hochmoorbildung Rückschritte durch Überstauung nach ausgiebigen Miederschlägen, Überflutung und lange Trockenzeiten. In den küstennahen Mooren sind hier dann auch in der Torfschicht dünne Schlickauflagen zu erkennen.

Nichts hat aber die Hochmoorentwicklung so beeinflusst wie die Entwässerung, Abbau und Kultivierung dieses Lebens- und Klimaraumes. Die völlige Entwässerung des Hochmoortorfkörpers hat das Torfmooswachstum und damit die Torfbildung zum Erliegen gebracht und die positive Bilanz der natürlichen Torfzersetzung bewirkt, es wurde mehr Torf abgebaut als nachwachsen konnte. Die Nachhaltigkeit dieses Prozesses geschah dadurch, dass eine feingliedrige Entwässerung die gesamte Torfmächtigkeit durchdrang.

Zusammenschrumpfen des wassergesättigten Torfkörpers auf etwa ein Drittel seiner Stärke war die sichtbare Folge, weiteres Schrumpfen durch Torfzersetzung dann der langsame weitere Prozess, einhergehend mit der Mineralisierung der oberen Torfschicht (Akrotelm) und Veränderung der Vegetation vom Torfmoos-Wollgras über Pfeifengras hin zur Besenheide-Krähenbeere-Heidelbeer-Vegetation. Mit der Kultivierung, erst Brandkultur dann Bodenbearbeitung mit Düngergraben, war der Torf nur noch tragender, schwindender Untergrund für nährstofffordernde Kulturpflanzen. Diese nahmen (und nehmen) den Torf weiterhin in Anspruch mit der Förderung der Torfzersetzungsprozesse.

23.01.017


Georg Ramm

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