Entstehung Neues Moor


Elbniederungsmoor - Entstehung und Entwicklung

Zwischen Elbe und Oste ist im Urstromtal der Elbe ein ausgedehntes Hochmoor entstanden. Es dehnt sich von der Ostemarsch in Oberndorf-Bentwisch bis Stade aus, etwa 25 km lang und 0,5 bis 5 km breit. Etwa 120 km² wurden vom Moor eingenommen.

Entstanden ist es auf dem Schlick, der unter Gezeiteneinfluss und steigenden Wasserständen der Nordsee hier in der Elbmündung abgelagert wurde. Etwa 20 m dick hat sich dieser auf dem Sand-Boden des Elburstromtales aufgelagert. Durchzogen von Prielen, netzartig ausgebildeten Flussläufen bestand hier über einige Jahrtausende ein Feuchtgebiet. Mit der Stabilisierung der Flussläufe Elbe und Oste vor etwa 4.000 Jahren bildeten sich höhere Uferbereiche aus, die ein weitläufiges flaches Becken einschlossen, das von der Tide abgeschlossen war. Zunächst noch mit Salzwasserröhrichten besiedelt, süßte die Fläche aus und es wuchs nahezu über die gesamte Fläche ein Schilfröhricht.

Dieses schuf die Voraussetzung für die Ansiedlung von Torfmoosen, die den ersten Torf, einem Schilftorf (oder „Darg“ genannt) schufen. Da die Fläche nicht eben war, sondern durch die erhaltenen Strukturen aus der Zeit des Tideeinflusses Höhendifferenzen von 3 m blieben (Kleibänke als Höhenlagen, Priele, Flussläufe und Gezeitenbecken als Senken), gab es trockene und feuchtere Bereiche. Die Kleibänke wurden dann auch vor dreitausend Jahren mit Birkengehölzen besiedelt, starben aber aufgrund des zunehmend starken Torfmooswachstums mit der Bildung von Schwarztorf ab. Heute sind hiervon nur Stamm- und Wurzelreste, sowie abgefallene Zweige im Torf erhalten.

Auch das Schilf wurde überwachsen und konnte nur in kleinen, lichten Beständen in so genannten Schlenken oder Seebleeke sich sowohl durch die Zeit der Schwarztorfbildung als auch der Weißtorfbildung halten. Schwarztorf zwischen dem Schilftorf und dem Weißtorf liegend, ist ein stark zersetzter Torf. Torfmoospflanzen sind nicht mehr zu erkennen, dafür aber Reste der Begleitpflanzen: Besenheide, Rosmarinheide, Moosbeere und Scheiden-Wollgras.

In der Zeit der Schwarztorfbildung, etwa vor 2.000 bis vor 4.000 Jahren gab es offenbar ein trockenes Klima, das einerseits zur Zersetzung des Torfes führte, andererseits die Vegetation des trockenen Moores erlaubte.

Weißtorf wuchs in der jüngeren Zeit etwa vor 2.000 Jahren beginnend bis heute. Die Niederschläge erlaubten ein zügiges und dominantes Wachsen der Torfmoose. Besenheide, Scheiden-Wollgras gediehen nur auf Flecken, wo das Torfmoos-Wachstum zum Erliegen kam oder die Torfmoos-Decke gestört wurde. So sind im Weißtorf die Torfmoos-Pflanzen in ihrer Struktur erhalten und es gibt wenige Reste der Besenheide und des Scheiden-Wollgrases.

Reste von Gehölzen wurden weder im Schwarztorf noch im Weißtorf gefunden. Also gab es offenbar in dieser Zeit keine Birken-Wäldchen im Moor.

Die Mächtigkeit der Torfschichten können durchschnittlich mit 0,5 m Schilftorf, 2 m Schwarztorf und 4 m Weißtorf angegeben werden. Unterschiede gab es nach Höhenlagen des Untergrundes: Kleirücken waren mit geringerer Torfmächtigkeit bedeckt und der Schwarztorf nahm einen größeren Anteil ein. In Senken, wo immer eine höhere Feuchtigkeit herrschte, wurde mehr Weißtorf gebildet, der Torfkörper war mächtiger aber schwammiger.

Eine vierte Torfart findet sich in der Torfschicht, dies ist der Schlenkentorf. Er wächst in nassen, überstauten Bereichen und wird von den Schlenkentorfmoosen gebildet. Im Anschnitt der Torfschicht findet er sich meist streifenartig und ist Indikator eines kurzzeitigen Überstaues in der Entwicklung der Torfschicht und ist lokal begrenzt.

Im Schlenken oder Seebleecken nimmt er einen höheren Anteil ein und kann hier der Hauptbestandteil der Torfschicht sein. Seeblecke können ein sehr unterschiedliches Ausmaß von wenigen Quadratmetern bis mehreren Hektaren in der Fläche und ebenso in der Tiefe von oberflächennah bis zur Schilftorfschicht einnehmen.

Die weitere Entwicklung des Elbniederungsmoores wurde durch die Besiedlung der Elbe- und Ostemarsch durch den Menschen beendet.

Entwässerung, Torfentnahme und Kultivierung der Torfoberfläche führten zur Zerstörung dieses Lebensraumes. Die Entwässerung hatte eine einschneidende Wirkung: Der Torfkörper sank von sechs Metern auf zwei Meter: Der Schwarztorf verblieb, ebenso wie der Weißtorf, in einer Mächtigkeit von einem Meter. Durch Abtorfung wurde der gesamte gewachsene Torf zunächst herausgenommen (der Schwarztorf galt wegen seines Heizwertes als der wertvollere), zurückgelassen wurde eine halben Meter starke Weißtorfauflage auf dem Schilftorf (zurückgeworfen nach Abtorfung) als Grundlage für die nachfolgende landwirtschaftliche Nutzung.

Die zunehmende Entwässerung des Hochmoores ermöglichte (nach 1900) auch hier die landwirtschaftliche Nutzung, zunächst durch Brandkultur, aber es wurde auch großflächig gekuhlt, d. H. kalkhaltiger Klei wurde aus dem Kleiboden unter der Torfschicht geholt und auf dem Hochmoortorf verteilt. Später erleichterten die Industrie-Dünger den landwirtschaftlichen Anbau.

Der industrielle Torfabbau, der 1946 einsetzte, änderte zunächst nichts an der Folge Torfentnahme und nachfolgender landwirtschaftlicher Nutzung. Erst als die Naturschutzgesetzgebung Kompensation für den Eingriff des Torfabbaues forderte, gab es einen Umschwung in Sachen Hochmoorentwicklung. Der negative Trend zu immer mehr Schwund in den naturnahen Flächen wurde umgekehrt zu mehr Naturnähe. Die Zielsetzung eines wachsenden Hochmoores konnte erst formuliert werden, als die Erkenntnis eines solchen Lebensraumes auf die Torfmoose als Torfbildner fokussiert wurde. Damit wurde der Gedanke stärker, dass auch dieser Lebensraum nicht unwiederbringlich verloren ist, sondern durch Herstellung der Wachstumsbedingungen für die Torfmoos-Gattung initiiert werden kann.

So wurden dann auch die Bedingungen für Torfmoose nach der Abtorfung hergestellt: Ein nährstoffarmer Boden, der auch Wasser aufnehmen kann. Dies ist im Fall des Elbniederungsmoores der so genannte „Krümeltorf“, eine Mischung aus allen am Ort vorkommenden Torfarten in einer Mächtigkeit von 0,5 m, ein Initialbewuchs aus Pflanzen saurer Böden (Kleiner Sauerampfer, Scheiden Wollgras, Schmalblättriges Wollgras, Graue Segge, Flatterbinse) und ein oberflächennaher Einstau.

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