Mit dem NABU ins herbstliche Moor am 08.10.2016


Mit gut 20 Teilnehmern startete die NABU/G.N.U.-Exkursion ins Aschhorner Moor. Wetter und Zeitpunkt waren gut gewählt, sodass es auch einiges zu sehen gab.

Aufgesucht wurden die Vernässungsflächen, die in 2015 verwallt wurden. Mit großen, befahrbaren Wällen und kleinen Zwischenverwallungen wird hier auf den abgetorften Flächen das Regenwasser zurückgehalten. Mit den Einstau soll die etwa 50 cm dicke Torfschicht, bestehend aus den ehemals vorhandenen Torfarten Schwarz-, Weiß- und Schlenkentorf, wieder nass werden und die Voraussetzung für Tormooswachstum bieten. Torfmoose sind die Pflanzen, die hier das Moor, den Torf, gebildet haben. Bis sich eine nennenswerte Torfschicht gebildet haben wird, ist es ein langer Weg, etwa 1 mm Torf (entwässert) wird bei geschlossener Torfdecke gebildet.

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Der Beginn des Hochmooswachstums ist aber schon nach wenigen Jahrzehnten zu sehen, wie die Teilnehmer in einer seit 20 Jahren vernässten Fläche erfahren konnten. Hier hat sich ein Schwingrasen eingestellt, typisch für wassergesättigten Torf.

Auf der jüngst vernässten Fläche waren ebenfalls schon Torfmoose zu sehen, dies allerdings Arten, die man Schlenken-Torfmoose nennt, und die eine Pionierfunktion haben: Sie bereiten den Boden für die torfbildenden Arten, Bulten-Torfmoos genannt, vor. Neben diesen Torfmoosen in ihrem frischen Grün, fielen die abgestorbenen Birken auf, die den hohen Wasserstand nicht vertragen. Birken werden hier in den Renaturierungsflächen der Euflor-Humuswerke nicht so sehr als Feinde des Hochmoores angesehen, sondern als nützliche Indikatoren für die Vernässungsmaßnahmen: üppiges Birken-Wachstum bedeutet, dass ein höherer Wasserstand eingestellt werden muss, kümmernde und fehlende Birken in der Fläche zeigen torfmoosfreundliche Verhältnisse an und absterbende oft zu viel Wasser mit Überstau, was auch den Torfmoosen nicht guttut. Alle drei Zustände sind in der besuchten Fläche zu sehen.

Da die Fläche schon mit ein paar Jahren aus der Torfgewinnung ist, haben sich hochmoor- und niedermoortypische Pflanzen eingestellt. Dies sind vor allem Gräser, wie Scheiden- (horstiges) Wollgras, Schmalblättriges Wollgras, Pfeifengras als Vertreter der Hochmoorvegetation und Graue Segge, Schwarze Segge und Flatterbinse als Vertreter des Niedermoores. Auch Heide ist in der Vegetation zu finden, so die trockenen Flächen liebende Besenheide und die mehr im Feuchten lebende Glockenheide. Auf einem kleinen Wall wurde der fleischfressende Sónnentau gesichtet in üppigen Beständen der Rundblättrige, vereinzelt der Mittlere Sonnentau. Diese fangen Insekten mit ihren klebrigen Drüsenhaaren auf den Blättern, und sogar Libellen zählen zu den Opfern.

Libellen wurden an windgeschützten, sonnenexponierten Stellen angetroffen, so die Schwarze und die Blutrote Heidelibelle, vereinzelt auch die Blaugrüne Mosaikjungfer.

Lange Nächte, viel Feuchtigkeit lassen die Insekten zu ihrem Saisonende kommen und daher wurden auch viele Heidelibellen ertrinkend auf der Wasseroberfläche vorgefunden.

In den flachen Gewässern konnten Wanzen beobachtet werden, so der Gewöhnliche Wasserläufer auf dem Wasser und der Rückenschwimmer unter Wasser.

An Vögeln waren es vor allem die Gänse, die die Vogelwelt beherrschten. Weißwagen- und Blässgänse zogen in Trupps von dreißig bis über hundert über das Moor, Graugänse besiedelten die Wasserflächen im Vernässungsgebiet. Alle Gänsearten sind gut an ihren Rufen zu erkennen.

Während die Weißwangengänse selten in den Wasserflächen des Moores einfallen, gibt es einen kleinen Rastbestand an Blässgänsen mit etwa 800 Exemplaren im Winter.

Etwa 16 Kraniche flogen aus der besuchten Vernässungsfläche auf, weitere ließen sich aus dem Umfeld vernehmen. Der Kranich ist im etwa 300 ha gro0en Vernässungsgebiet mit etwa zwei Brutpaaren seit über fünf Jahren präsent, Rastbestände sind im Sommer etwa 15 Exemplare stark, im Winter bis zu 150.

Weniger auffällig ist die Anwesenheit der Schnepfe. Die Bekassine verrät sich mit ihrem Flugruf, ist ansonsten still anwesend auf den Torfschlammflächen.

An Greifvögeln war der Seeadler in der Fläche, ebenso der Mäusebussard am Rand des Moores.

Eine artenreiche Kleinvogelwelt mit Bachstelze, Hausrotschwanz, Blau- und Kohlmeise, Amsel und Zaunkönig ist am Ausgangsort der Exkursion angetroffen worden. In den Vernässungsflächen sind es Wiesenpieper, Kohl- und Schwanzmeisen, die jetzt auffallen. Die Laubsänger sind bereits gen Süden gezogen.

Nach etwa zweieinhalb Stunden endete der Ausflug ins Moor am Ausgangsort, wo Bernd Unglaub ein Zelt aufgebaut hatte und Informations-Material, Getränke und Butterkuchen anbot, was zu weiteren, entspannten Gesprächen anregte.

Oederquart, 10.10.2106

Georg Ramm

G.N.U.

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Wasserflächen, offene Torfschlammflächen und eine lückenhafte Vegetation locken Schnepfenvögel wie Bekassine, Kampfläufer und Bruchwasserläufer an.

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Neben dem Damm zur Wasserrückhaltung gab es einen Schwingrasen zu sehen und erleben, dieser fand großes Interesse bei den Teilnehmern.

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Flatterbinse, Scheiden Wollgras und Moorbirken sind hier die augenfälligsten Besiedler der unterschiedlich nassen Fläche.

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Besenheide und Glockenheide zeigten noch Blüten.

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Einige geschwächte Exemplare der Blutroten und Schwarzen Heidelibelle verunglückten im Wasser.

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In der neu eingestauten Fläche sterben die Birken ab. Die im Wasser liegenden Birken dienen als Wellenbrecher.

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Der rundblättrige Sonnentau hat eine Schwarze Heidelibelle gefangen.

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Der Kartoffel-Bovist ist der häufigste Pilz im Moor.

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Im längerfristig überstauten Bereich ist die Erstvegetation aus Birken, Wollgräsern, Heiden und Seggen abgestorben. Großflächig hat sich hier das Schlenken-Torfmoos ausgebreitet.

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Noch im Herbst ist hier die Haut (Exuvie) einer Großlibelle zu finden.

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Üppige Rosetten des Sonnentaues sind auf dem im Frühjahr gestalteten Wall zu finden. Hier mit einer Dornschrecke.

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Den Abschluss der Wanderung durchs Moor bildete eine Informations- und Kaffee-Runde.

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